⇐ BackForward ⇒
1. August – 14. August

Cumbria – Lake District

Sonntag, 7. August 2022
Ausflug nach Ambleside. Das Wetter ist etwas kühler geworden, bedeckt mit immer wieder sonnigen Abschnitten dazwischen. Ein ideales Wetter um die Stadt anzuschauen. Wie die meisten englischen Kleinstädte ist auch Ambleside wunderschön. Leider ist es aber viel zu touristisch. Auf der anderen Seite wäre der Ort sicher nicht in so gutem und gepflegtem Zustand wenn es die Touristen nicht gäbe. Wir, Lena, Liam, Ellen ich, machten einen Spaziergang durch den Ort und schauten uns die Kirche an.

Montag, 8. August 2022
Lena machte sich etwas Sorgen weil das Baby im Bauch sich nicht so viel bewegte wie sonst, Deshalb sind wir heute zum South Lakes Birth Center nach Barrow-in-Furness gefahren, eine Hafen- und Industriestadt an der Küste südlich des Lake Districts.  Die Geburtsklinik ist nagelneu und bestens ausgerüstet. Gott sei Dank war alles in Ordnung und so verbrachten wir den Rest de Tages in der Gegend.

Zuerst fuhren wir nach Walney Island, eine der Küste vorgelagerte Insel, die praktisch zu Barrow-in-Furness gehört. Hier gibt es endlos lange Stände und es sind praktische keine Touristen da, obwohl gerade Hochsaison ist. Aber das ist einfach kein Touristengebiet, die Touristen sind wohl alle im Lake District National Park oder etwas weiter südlich in der Gegend von Blackpool. Oder eben gleich in Südeuropa. Jetzt, nach Corona, dürfen sie ja wieder ins Ausland reisen.

Was im August sonst noch passiert ist:

  • 14. August: Eigentlich gibt es bis jetzt keine Katastrophen- und Schreckensmeldungen von weltweiter Bedeutung. An Corona, den Ukrainekrieg und die Dürre und den Hunger in Afrika hat man sich offensichtlich gewöhnt. Auch daran, daß die Gletscher bei uns und das Eis in der Arktis noch viel  schneller schmelzen als bisher angenommen.
    Allerdings beherrscht die Nachrichten die Hitzewelle in ganz Europa. Der ganze Sommer an sich ist bisher für die Landwirtschaft und die Natur eine riesige Katastrophe. Es gibt überall Waldbrände in Südeuropa, aber inzwischen auch in Frankreich und Deutschland, und sogar England brennt es und man hat große Problem mit der Hitze und dem Wassermangel. Sogar auf der Autobahn warnt man die Reisenden vor der Hitzewelle. Außerdem gibt es großen Teilen Englands, hauptsächlich im Süden, einen sogenannten Hose-Ban, das heißt man darf unter Androhung hoher Strafen keine Wasserschläuche mehr benutzen (z.B. zum Rasen sprengen). Ich hab aber noch heimlich mit Lenas Wasserschlauch meinen Frischwassertank aufgefüllt 😉
    Die Schifffahrt auf dem Rhein ist wegen Niedrigwasser stark beeinträchtigt, die Schiffe können zum Teil nur noch mit einem Drittel der üblichen Fracht beladen werden.

    Ach ja, eh ich’s vergesse, in der Oder sind praktisch alle Fische gestorben. Wer und/oder was dahinter steckt weiß man noch nicht.

Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang und nach dem Essen im „Hungry Horse“, eine der größten Restaurantketten Englands, sind wir dann wieder zurück zu unserer Blockhütte gefahren. Speziell im Lake District sind die Strassen schon sehr eng und oft muß man hoffen, daß kein Auto entgegen kommt. Und wenn doch, dann muß man sehen daß man irgendwie an einander vorbei kommt. Das ist dann manchmal schon Millimeterarbeit, aber irgendwie geht es immer. Ein gutes Training für die geplante Irlandfahrt.

Dienstag, 9. August 2022
In der Nähe von Ambleside ist das Wray Castle, das jetzt dem National Trust gehört. Da ich ja Mitglied des National Trust of Scottland bin, habe ich freien Eintritt und parken kostet mich auch nichts. Für Ellen hatten wir einen Gutschein, so daß der Besuch für uns komplett kostenlos war. Die Straße dahin war wie gewöhnlich wieder sehr abenteuerlich. Das Castle selbst wurde erst 1840 von James Dawson, einem Chirurgen im Ruhestand aus Liverpool, als Wohnhaus im viktorianisch neo-gotischem Stil erbaut, das eben wie eine Burg aussehen sollte. Tut es auch. Seit 1929 gehört es dem National Trust. Interessant ist, daß hier in Wray die Idee entstand, Gebäude oder Landschaften von historischem Interesse oder besonderer Schönheit zu bewahren. Die Grundidee war, dass nur der Privatbesitz von Gebäuden und Grundstücken diese vor einer späteren Zerstörung oder Verbauung durch den Staat oder Unternehmen bewahren kann. Das führte 1895 zur Gründung des National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty, kurz National Trust.
Heute besitzt der National Trust mit etwa 2550 km² Grundbesitz 1,5 Prozent des Landes, darunter ein Viertel des Lake District, sowie über 1193 km Küstenlinie. Dies sind etwa zehn Prozent der gesamten Küste. In den Statuten des Trusts steht, daß was sich einmal im Besitz des National Trusts befindet, nie wieder verkauft werden darf.

Vom Wray Castle aus fuhren wir nach Keswick, machten aber noch einen Stopp in Ambleside. Nicht einmal im Internet (via Trip Advisor oder so) findet man Sehenswürdigkeiten direkt im Ort selbst. Ambleside hat etwa 2600 Einwohner, im Vergleich dazu hat mein in diesem Blog schon öfter erwähntes Heimatdorf Hainsfarth schon etwa 1500 Einwohner – aber keine Touristen. Ein kleines Kuriosum, das mir gefallen hat, verdient aber dennoch Erwähnung wie ich finde: Das Bridge House. Deshalb haben wir hier noch mal gehalten. Meine Parkfee funktioniert offenbar auch hier in England. Direkt ein paar Meter vor dem Bridge House war ein Parkplatz für meine Arche frei. Das Bridge House ist wirklich ein ganz kleines Haus, ein Zimmerchen unten und ein Zimmerchen oben, das vor etwa 300 Jahren auf einer Brücke über dem Fluß „Stock Ghyll“ vermutlich als Lager für Äpfel oder ähnlichem gebaut wurde. Denn dadurch fielen keine Steuern für das Gebäude an, da es ja nicht auf Land gebaut wurde. Heute gehört es dem National Trust und dient als Informationszentrum für den Trust.

Nach diesem kleinen Stopp fuhren wir nach Keswick. Auch hier war die Parkfee wieder hilfreich, der für meine Arche am Besten geeignete Parkplatz in der Community Parking Area war frei. Keswick ist eine quirlige kleine Stadt, bzw. kleiner Ort mit etwa 4200 Einwohnern, dar natürlich wie alle Orte hier im Lake District praktisch nur vom Tourismus lebt.

Was Ihr schon immer über Sex, ähäm über Bleistifte wissen wolltet, aber bisher nicht zu fragen wagtet, erfahrt ihr hier im Bleistift Museum in Keswick (The Derwent Pencil Museum). Wem das noch nicht genug ist, dem empfehle ich die folgende Seite zu besuchen: Derwent Cumberland Pencil Company. Hätte ich nicht gedacht, aber das Museum ist wirklich gut, nicht sehr groß, aber interessant gestaltet und war den Besuch wert. Jetzt weiß ich wie Bleistifte hergestellt werden und wie viele aus einer einzigen Zeder hergestellt werden können. Außerdem wurde hier von einem Mr. Q (den gab es hier wirklich, nicht nur bei James Bond) ein Bleistift entwickelt in dem eine auf ganz dünnem Spezialpapier gedruckte Landkarte eingerollt in einem Bleistift zusammen mit einem winzigen Kompass versteckt war. Das sollte den englischen RAF Piloten und Soldaten im zweiten Weltkrieg helfen den Weg aus dem Feindesland zurück zu finden wenn sie z.B. hinter den Linien abgeschossen und mit dem Fallschirm abspringen mussten. Solchen Geheimwaffen hatte die deutsche Wehrmacht damals natürlich nichts entgegenzusetzen.
Auch interessant: Eine Spezialanfertigung eines mit Diamanten besetzten Bleistiftes für die Queen zum 60-jährigen Thronjubiläum, von dem es nur zwei Exemplare gibt, das hier abgebildete und das andere, das sich im Besitz der Queen befindet.

Mittwoch 10. August 2022
Englamd ist das Eisenbahnland. Hier findet man sehr viele Museumsbahnen. Das sind zum einen ehemalige reguläre Bahnstrecken, die wie so oft mangels Rentabilität stillgelegt wurden.  Zum anderen gibt es viele Schmalspurpurbahnen mit relativ kleinen Lokomotiven und Wagen. Das sins meist ehemalige Feld- und Industriebahnen die speziell bei Kohle- und Schieferminen und dergleichen verwendet wurden. Unzählige Freiwillige erhalten all die Strecken und das Material in Schuß und das dient heute als Touristen Attraktion. Dann gibt es noch kleinere Bahnen die mehr in den Modellbahnbereich einzuordnen sind.

Heute haben wir die Haverthwaite & Lakeside Railroad besucht. Das war eine ganz reguläre Eisenbahnlinie, die den Lake District mit dem britischen Bahnsystem verbunden hat, aber wegen Unrentabilität eingestellt wurde.

Donnerstag 11. August 2022
Heute fanden die Rydal sheepdog trials 2022 statt. Ich weiß nicht ob es so etwas in Deutschland gibt, vielleicht in typischen Schafgegenden im Norden. Hier geht alles um Hunde. Ganz toll waren die Schäferhund Wettkämpfe. Ein Hund mußte 4 Schafe, die er nicht kannte und die auch mit Schäferhunden noch keinen Kontakt hatten, durch 3 Tore und am Schluß in einen kleinen Pferch treiben. Dabei wurde er vom Schäfer mit Zurufen und Pfeifen dirigiert.

Außerdem gab es noch Prämierungen für die verschiedenen Hunderassen (Beagles, Harriers, Terriers und Hounds) wer wohl der Schönste und Beste ist. Für Jagdhunderassen gab es noch Rennen über je 10 Meilen. Ein Mann zog etwa eine Stunde vorher eine Duftspur und dann wurden die Hunde losgelassen und folgten alleine querfeldein der Duftspur und kamen nach ca.30 Minuten erschöpft im Ziel an (kleines Bild oben).

Das Ganze war aber nicht mit irgendwelchen Hundeschauen oder Schönheitswettbewerben zu vergleichen, sondern im Prinzip waren das alles Arbeitshunde und ausnahmslos alle machten einen guten und aufgeweckten Eindruck und hatten offenbar mit großem Spaß bei der Sache. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, daß da irgendwo Tierquälerei im Spiel war. Auch die erschöpften Jagdhunde waren nach kurzer Zeit wieder putzmunter.

Freitag, 12. August 2022

Heute ist der letzte Tag im Lake District. Nach dem Ellen so ziemlich alles was entbehrlich war in der Arche verstaut hatte, machten wir einen kleinen Spaziergang. Direkt von dem Estate (Neaum Grag) in dem wir residierten, führt ein Weg über die Hügel Richtung Laughrig Tarn, einem kleinen wunderschön gelegenem See, in dem man auch baden kann. Etwas dahinter ist ein Hügel, der Laughrig Fell, nicht sehr hoch und einfach zu begehen, aber wegen der Hitze ließen wir das bleiben.

Überall kann man sehen, daß das Land schon seit Jahrhunderten gepflegt und kultiviert wurde. Bachläufe sind mit Steinen eingesäumt, überall sind Hecken und vor allem Mauern. Viel Generationen habe wohl Jahrhunderte daran gearbeitet, irgendjemand muß die Mauern ja irgendwann mal gebaut haben.

Seit heute steht die Hütte zum Verkauf, aber nicht weil wir sie so abgewohnt haben. Zu haben ist sie für läppische £235.000 (etwa €260.000). Wahrlich ein Schnäppchen.

Samstag, 13. August 2022
Lena plante die Abfahrt für 6:00 Uhr, damit wir um 7:00 sicher wegkommen. Bis um 7:40 haben wir es dann geschafft. Zwei kleinere Pausen (Foto rechts) und wir waren dann um c.a. 15:00 wieder in Littlehampton.

Sonntag, 14. August 2022
Ich habe den Campground im New Forest gebucht. Ansonsten war Einkaufen angesagt damit wir auf dem Weg nach Irland nicht verhungern. Um dem vorzubeugen haben wir uns sicherheitshalber gleich mal Fish’n Chips genehmigt.

Danach machten wir noch einen kleinen Spaziergang am Littlehampton East Beach. So voll hab ich den Strand hier noch nie gesehen.  Geradezu geschockt hat mich der Zustand de großen Wiese vor dem Strand, die ich eben nur als grüne Wiese kannte. Zur Zeit ist das allerdings nur noch braun, von grün keine Spur. Solche Trockenperioden ist man bei uns in Deutschland nicht gewohnt, hier in England erst recht nicht. Mal sehen wie das ausschaut wenn wir wieder aus Irland zurück sind.

Ansonsten haben wir die Arche beladen und reisefertig gemacht, denn morgen geht es ja weiter auf die Smaragd Insel.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.