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31. Augst – 7. September 2022

Von Kelten und Riesen

Mittwoch 31. August
Nach der ruhigen Nacht gestern an der Ballysadare Bay stand heute keltische Kultur auf dem Programm. Als erstes fuhren wir zum Parkplatz unterhalb des Knocknarea. Dieser Berg beherrscht die ganze Umgebung und man sieht von überall aus die seltsame Erhöhung auf dem Gipfel, die, wie wir jetzt wissen, ein riesiges keltisches Grab ist, in dem angeblich Königin Meave, eine Figur aus der irischen Mythologie, bestattet sein soll.
Bei schönem Wetter machten wir uns an den Aufstieg, der eine knappe Stunde dauerte. Der riesige Grabhügel ist wirklich beindruckend. Er wurde etwa 3000 v. Chr., also vor etwa 5000 Jahren errichtet.
Ausgrabungen am oder im Hügel fanden dort nie statt, man weiß also nicht wer da bestattet wurde. Queen Maeve kann es eigentlich gar nicht sein, denn sie lebte in der Eisenzeit, während der Grabhügel bereits in der Jungsteinzeit errichtet wurde. Die Steine des Hügels werden auf über 40.000 Tonnen geschätzt.

Oben angekommen hat man eine phantastische Aussicht in alle Richtungen. Auf nahezu allen Gipfeln, die in der ferne zu sehen sind, befinden sich ebenfalls solche Hügelgräber, die mit bloßem Auge allerdings nur zu erahnen sind. Viele Reste von Gräbern und Steinkreisen fallen einem gar nicht mehr auf, da es einfach so viele sind. Dieses Gebiet wurde von den Kelten wohl sehr rege für rituelle Zwecke benutzt. Nicht nur der Berg Knocknarea, sondern die ganze Coolera Halbinsel auf der der Berg liegt scheint ein riesiger keltischer Friedhof zu sein.

Runter geht es natürlich schneller und wir wollten noch weiter zum nahegelegenen Carrowmore Megalithic Cemetery, der größten steinzeitlichen Friedhofsanlage in Irland. Daß man an dieser Stelle ein Museum eingerichtet hat verwundert nicht. Es gibt hier zahlreiche Steinkreise, die Reste von Gräbern darstellen, vereinzelt kann man sogar noch Reste der Grabkammern sehen (linkes Bild).

Außerdem gibt es hier auch ein großes Hügelgrab (Grab 51 oder Listoghil), ähnlich dem auf dem Knocknarea, aber nicht so groß. Dieses Grab wurde 1996 bis 1998 vom schwedischen Ärchäologen Göran Burenhult bearbeitet. Man hat einen Weg zum eigentlichen Grab freigelegt, so daß man das darin liegende Hünengrab sehen kann. Die Artefakte in dieser Gegend datieren laut Radio Carbon Untersuchungen etwa von 3750 bis 3000 v.Chr.

Nach so viel keltischer Kultur und doch  so viel Strecken die wir zu Fuß zurückgelegt haben wird es nun Zeit weiter zu ziehen. Zuerst nur auf den Parkplatz einer Shopping Area in Sligo, wo Ellen wieder ihre Kochkünste ausüben konnte. Danach fanden wir einen schönen Übernachtungsplatz am Meer, mit Blick auf den Knocknarea und dem Grab der Königin Maeve auf dem Gipfel. Und wieder einmal gab es einen herrlichen Sonnenuntergang zu genießen.

Donnerstag, 1. September
Was für ein toller Ort um zu Stehen und zu Übernachten, oben auf den Klippen über dem Atlantik. Das war westlich von Donegal am Ende der Slieve League Halbinsel bei Malin Beg, einem 300 Seelen Dorf, das nur durch den Silverstrand bekannt ist. Sonst gibt’s hier nichts. Gar nichts.

Daß wir mehr oder weniger auf einer natürlichen Brücke standen haben wir erst gesehen, als wir uns auf den Weg zum nahegelegenen Silverstrand gemacht haben. Übrigens, das andere Auto das da unsere Einsamkeit störte war aus Rosenheim.

Der Silverstrand war etwa eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, plus die ewig lange Treppe hinunter von den Klippen an den Strand, die man dann dummerweise auch wieder hinaufsteigen mußte. Das Wasser war ziemlich kühl, wir sind ja auch am Nordatlantik, aber ich habe immerhin versucht kurz unterzutauchen. Aber wirklich nur kurz.

Freitag, 2. September
Das Wetter hat sich geändert und es regnete in der Nacht. Wir hatten bis jetzt sowie fast keinen Regen, was für Irland schon außergewöhnlich ist. Auch heute, als wir aufgebrochen sind, hat es wieder zu regnen aufgehört. Wir fuhren weiter nach Norden auf der Suche nach einem schönen Platz an der Küste. Wieder mit  Hilfe von p4n (park4night) fanden wir auch einen, aber da standen schon die Rosenheimer von gestern. Also fuhren wir noch weiter, und fanden auch einen schönen Platz hoch über der Atlantikküste, irgendwo im Nirgendwo, in der Nähe von Maghery, wo wir aber nur vorbeigefahren sind.
Die Straßen zu unserm Übernachtungsplatz wurden immer dürftiger. Nur um das klarzustellen: Bei dem Bild rechts handelt es sich nicht um einen Feldweg, sondern durchaus um eine reguläre Straße, auf der einem auch mal ein großer LKW entgegenkommen könnte. Wie man auf dem Bild links sieht (unser Übernachtungsplatz), werden auch diese Straßen immer mehr ausgebaut und die feldwegartigen Straßen werden immer weniger – aber sie bleiben meist schmal und eng.  Viel Verkehr gibt es hier ohnehin nicht und so hatten wir eine ruhige Nacht.

Samstag, 3. September
Jetzt verlassen wir endgültig den Wild Atlantic Way und fahren durchs Landesinnere nach Belfast, also ins United Kingdom. Ellen kam manchmal etwas durcheinander weil jetzt wieder in £ bezahlt werden mußte und alle Entfernungen in Meilen und Yards gemessen werden.

In Belfast angekommen fanden wir einen ruhigen Platz in der Nähe eines Restaurants (Cutters Wharf). Wir standen Gott sei Dank in dem Teil des Parkplatzes der nicht zum Restaurant gehört und nachts nicht durch eine Kette gesperrt wird, so daß wir am Morgen ohne Probleme weiterfahren konnten.

Sonntag, 4. September – Belfast
Wir fuhren dann in die Nähe des Stadtzentrums und dann mit den Fahrrädern zu den Werften, in denen einst die Titanic und deren Schwesterschiff Olympic gebaut wurden.

Als erstes kamen wir am Fischdenkmal (The Big Fish) vorbei. Ein großer Fisch. Na und? Bei näherem Hinsehen fällt auf, daß er aus lauter Keramikfließen besteht von denen jede ein Ereignis aus der Geschichte Belfasts zeigt oder zumindest Motive die etwas mit Belfast zu tun haben. So kann man den Fisch doch relativ lange studieren.

Weiter zu den Docks wo die Titanic und die Olympia einst gebaut wurden. Heute dient dieser Teil der Hafenlandschaft als Ankerplatz für private Yachten und Boote. Von den Docks von damals ist nicht mehr viel übrig. Als Attraktion sieht man heute die Nomadic, ein Tenderschiff das damals im Hafen von Cherbourg benutzt wurde um die Titanic und die Olympic zu bedienen, denn diese selbst waren viel zu groß um im Hafen anzulegen.

Heute gibt es in Belfast keinen Schiffbau mehr. Harland & Wolff, die letzte Werft meldete 2019 Insolvenz an. Wir sind mit den Fahrrädern zu den ehemaligen Werftanlagen gefahren, wo die Titanic und ihr Schwesterschiff damals von Harland & Wolff gebaut wurden.  Ellen steht mit ihrem Fahrrad genau da, wo damals die Titanic gebaut wurde. Auf dem Boden sind schematisch die Umrisse, die Schornsteine und andere markante Stellen des Ozeankreuzes aufgezeichnet, was einen Eindruck von der schieren Größe dieser Schiffe vermittelt. Im Hintergrund sieht man den futuristisch anmutenden Bau des Titanic Museum in dem man über Rolltreppen in die Verschiedenen Museumsebenen gelangen kann.

Den Rest des Tage verbrachten wir noch damit, im Zentrum von Belfast etwas spazieren zu gehen. Da wir ja nahe am Zentrum geparkt hatten konnten wir alles zu Fuß machen.

Und wieder ein bisschen unnützes Wissen:

Jeder weiß, daß die Titanic 4 riesige Schornsteine hatte. Aber einer davon war nur eine Attrappe. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts war die Anzahl der Schornsteine ein Symbol für Geschwindigkeit und Sicherheit eines Ozeandampfers. Die White Star Line wollte ihren neuesten Ozeankreuzer zumindest äußerlich als der Konkurrenz überlegen erscheinen lassen. So ganz umsonst war die 4. Schornsteinattrappe dann doch nicht, denn sie beherbergte einen first-class smoking room, dessen Abzug mir allerdings etwas überdimensioniert scheint 😉

Und noch ein bisschen unnützes Wissen:
Die Story von den Riesen

Kurzfassung der Legende: Der Interessierte kann unter diesem Link mehr erfahren.
Einer irischen Legende nach wurde der Damm vom Riesen Finn McCumhail gebaut, um seinen Widersacher Benandonner aus Schottland zum Duell herauszufordern. Als dieser dann über den Damm kam um das Duell anzunehmen, verkleidete sich Finn als Baby. Als Benandonner das angebliche Baby sah, erblasste er bei der Vorstellung, dass bei der Größe des Kindes der Vater gar gigantische Ausmaße haben müsse. Die Furcht packte ihn, und er rannte über den Damm zurück nach Schottland und zerstörte diesen dabei hinter sich. Dabei verlor er einen Schuh – und der liegt heute noch da.

So etwa um die Mittagszeit fuhren wir weiter Richtung Süden. Morgen wollten wir uns noch Dublin anschauen. Gleich der nächste Ort den wir passierten war Bushmills, dort wo die bekannte „Old Bushmills“ Destillery ist. Ganz spontan stoppten wir dort für eine Whiskey Probe. Das waren aber auch wirklich gute Tropfen und so nahmen wir auch eine Flasche mit.

Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter nach Dublin. Wir fanden wieder einen tollen Übernachtungsplatz kurz vor Dublin, direkt am Meer, in der Nähe von Malachide. Ein kleines Städtchen das durchaus einen Besuch Wert gewesen wäre. Für uns war es günstig, weil man von hier aus in gut einer halben Stunde mit dem Zug ins Zentrum von Dublin fahren kann.

Wir blieben noch eine Nacht auf dem Parkplatz in Malahide. Morgen fahren wir runter nach Rosslare, wo am Abend unsere Fähre nach Fishguard in Wales ablegt.

Mittwoch, 7. September
Wir fuhren einfach nach Süden um uns am Abend in Rosslare einzuschiffen. Die Fähre war pünktlich und wir machten es uns in der Hygge Lounge der Stena Line gemütlich, die Überfahrt dauert doch so an die 4 Stunden. Nach der Ankunft in Fishguard steuerten wir den uns bereits bekannten Parkplatz an und übernachteten dort.

Good Bye Emerald Isle
We really had a great time!

2 Kommentare
  1. Klaas
    Klaas sagte:

    Viele schöne Sachen habt ihr gesehen !
    Gibt’s auch ein Komplett-Index der 4.5 Millionen Bücher und werden einzelne Exemplaren noch ausgeliehen, also gibt’s noch Leute die das lesen ?

    Antworten
    • Johann
      Johann sagte:

      Nun, die Bibliothek des Trinity Colleges ist natürlich gewachsen und ist inzwischen in 5 Gebäuden untergebracht. Wir haben nur die alte Bibliothek, also das 1. Gebäude besichtigt. Bücher können natürlich ausgeliehen werden, oder zumindest eingesehen werden. Für die alte Bibliothek wird das wohl nicht gelten, außer für Wissenschaft und Forschung.
      Im Internet kann man (https://stella.catalogue.tcd.ie/iii/encore/?lang=eng) kann man nach Büchern und Artikeln suchen. Ob da aber der Gesamtindex abgebildet ist weiß ich nicht.

      Antworten

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