September 2025 Teil 2

Norwegen

Tag 13: Mittwoch, 10. September 2025, Bodö
Nach der Nacht mit den beeindruckenden Polarlichtern Gings heute weiter nach Norden auf der E6, welche hier nur ein paar Kilometer westlich der Grenze zu Schweden durch den Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark verläuft. Im westlichen Teil des Parks befindet sich der ca 400 km² große Svartisen Gletscher, welcher durch die Gletscherschmelze der letzten Jahrzehnte eigentlich zu zwei einzelnen Gletschern wurde. Im Osten liegt der Saltfjellet Bergzug und dazwischen verläuft die E6 auf der von Flüssen durchzogenen Hochebene, wo wir um die Mittagszeit den Polarkreis überquerten. Natürlich wird so eine Örtlichkeit auch vermarktet. Man hat dort das Arctic Circle Center errichtet, in dem sich ein Souvenirshop und ein Restaurant/Café befinden und Ellen hatte Gelegenheit mit einem Elch zu knutschen.

Neben dem Center ist eine Gedenkstätte für die Kriegsgefangen des Naziregimes während des 2. Weltkrieges. Die Nazis hatten damals ganz Norwegen besetzt um Hitlers Atlantikwall zu errichten, der praktisch bis ans Nordkap reichte. Überall in Norwegen findet man Denkmäler und Überreste die an diese schlimme Zeit erinnern.
Es gab 54 Lager in denen über 34.000 Zwangsarbeiter, inklusive den Kriegsgefangenen aus Russland und Jugoslawien, interniert waren. Andere Berichte sprechen sogar von weit höheren Zahlen.

Wir fuhren weiter nach Norden Richtung Bodø. Kurz vorher überquerten wir die Saltstraumen Brücke. Der Saltstraumen ist ein Attraktion der besonderen Art. Das ist die stärkste Gezeitenströmung der Welt. 400 Millionen Kubikmeter Wasser strömen alle 6 Stunden durch die Meerenge in den dahinter liegenden Fjord. Also 4 mal am Tag, 2 mal in den Fjord und 2 mal zurück. Dabei werden Geschwindigkeiten von ca. 15km/h und mehr erreicht und es bilden sich große und gefährliche Wirbel. Am stärksten sind die Strömungen bei Vollmond und Neumond. Touristen können das Ganze hautnah erleben indem sie sich von kleinen Booten durch diese Strömungen und Wirbel schippern lassen.

Wir fuhren noch ein bisschen weiter, bis kurz hinter Bodø wo wir dann übernachteten. Durch die aktuelle Wetterlage schaufelte ein Atlantik-Tiefdruckgebiet auf seiner Vorderseite die warme Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns, sodass die Temperatur in der Nacht nicht unter 20° fiel. Bei uns bezeichnet man das eine tropische Nacht. Und das nördlich des Polarkreises.

Tag 14: Donnerstag, 11. September 2025, Øresvik, Brattland
Wir haben den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab jetzt geht es wieder Richtung Süden. Das führte uns wieder am Svartisen Gletscher vorbei, diesmal an seiner Westseite, wo wir einen tollen Blick auf eine seiner Zungen, dem Engenbreen hatten. Nur um nochmal die Größe deutlich zu machen: Der Svartisen Gletscher ist mit ca. 400 Km² Norwegens größter Gletscher und ist bis zu 600m dick. Die türkisfarbige Gletscherzunge Engenbreen reicht von einer Höhe von etwa 1200m bis fast hinunter zum Holandsfjord, also Meereshöhe.

Zum Übernachten fanden wir einen Platz direkt an der Küste und das hat uns anfänglich wirklich gut gefallen. Doch das oben erwähnte Atlantik-Tiefdruckgebiet, das uns gestern eine tropische Nacht bescherte, schlug heute vehement zu und rüttelte uns gehörig durch. Es war so stürmisch, dass wir uns gezwungen sahen mitten in der Nacht den Platz zu verlassen um eine windgeschütztere Stelle zu suchen. Nicht dass es gefährlich gewesen wäre, aber die Arche wurde ganz schön durchgeschüttelt und die Plane über den Fahrrädern knatterte so laut, dass an schlafen nicht zu denken war. Gott sei Dank fanden wir etwas weiter einen mehr windgeschützteren Platz.

Tag 15 – 16: Freitag 12. – Samstag, 13. September 2025

Ruhe und Entspannung im Bjørnvika Natursenter.
Heute ist immer noch T-Shirt Wetter wegen der mediterranen Warmluft die das Atlantik-Tief immer noch zu uns schaufelt. Wir fuhren nach Süden, wieder mit Fähren und über Brücken über kurvige Straßen durch die wunderschöne norwegische Landschaft. Ich glaube ich wiederhole mich mich, aber man kann sich an der Landschaft nicht satt sehen. Auf dem Bild links oben sieht man im Hintergrund neben mir am Horizont den charakteristischen Berg auf der vorgelagerten Insel Lurøy.

Viele Kurven und einige Brücken und Fähren später erreichten wir am Spätnachmittag unsern Campingplatz mit Namen Bjørnvika Natursenter, denn die Batterie musste wieder geladen werden und Wäsche waschen war angesagt.

Auf diesem Platz hat es uns auf Anhieb gefallen. Er war direkt am Meer. Bei Flut reichte das Wasser direkt bis an das mit Felsen befestigte Ufer und bei Ebbe konnte man über das Watt, oder wie auch immer das hier heißt, wandern.

Wir blieben hier gleich 3 Tage und genossen die Ruhe und das Meer. Außerdem musste ich den Grauwasserabfluss reparieren. Denn bereits in Dänemark hat auf der Autobahn ein vor uns fahrender Handwerkerwagen einen Eimer verloren, dem ich nicht mehr ausweichen konnte. Dabei hat er wohl meine Abwasserleitung beschädigt. Aber das war Gott sei Dank leicht zu reparieren.
Am Sonntag machten wir noch einen Ausflug zum Torghatten, dem berühmten Berg mit dem Loch.

Tag 17: Sonntag, 14. September 2025
Wie gesagt, eute machten wir einen Ausflug zum Torghatten. Der Torghatten ist ein Berg in der Nähe von Brønnøysund in mit einer besonderen geologischen Form. In seiner Mitte hat er ein etwa 35 Meter hohes und rund 160 Meter langes Loch. Nur um die Größe etwas zu verdeutlichen: Auf dem rechten Bild kann man mich erkennen, wenn man genau hinschaut. Entstanden ist das Loch vermutlich durch Ausspülungen der Meeresbrandung während der immer noch andauernden postglazialen Landhebung nach Abschmelzen der Gletscher aus der letzten Kaltzeit. Einige sind sich aber sicher dass sich da ein Troll ausgetobt hat.
Das war wieder eine nette kleine Wanderung. Zuerst mussten wir den gut ausgebauten Weg nach oben bis zum Loch gehen. Der Weg besteht von unten bis oben praktisch aus einer einzigen Treppe, die zum Teil schon 150 Jahre alt ist und die König Oscar II um 1870 bauen ließ. Sie ist aber so gut erhalten, dass man meinen könnte sie wurde erst in jüngerer Zeit gebaut.

Tag 18: Montag, 15. September 2025
Die Entspannung im Bjørnvika Natursenter haben wir sehr genossen. Heute sind wir aber etwa um 11 morgens Uhr von Bjørnvika aus losgefahren durch die tollen Landschaften und so weiter. Die westlichen Inselwelt Norwegens ist aber auch verdammt schön. Wir fuhren nach Süden und da sich uns nach dem Mittagessen in Kolvereid ein Supermarkt in den Weg stellte und uns zwei Stunden blockierte, kamen wir etwas spät zur Fähre von Hofles nach Lund. Also blieben wir gleich neben der Fähre über Nacht um dann am Morgen über zu setzen.

Gaaaanz wichtig!

Montag, 15. September 2025
Heute ist Lilys Geburtstag
. Die kleine ist jetzt schon 3 Jahre alt. Sie freut sich sichtlich über diesen Tag und hat viel Spaß beim Geschenke auspacken.

Tag 19: Dienstag, 16. September 2025
Auf unserem weiteren Weg nach Süden sahen wir eine von den vielen Fischfarmen, die man hier in den Fjorden findet. Daher kommt der bei uns so beliebte Norwegische Räucherlachs. Mit wenigen Ausnahmen sind die Standorte der meisten dieser Anlagen so gewählt, dass man sie von der Straße aus nicht sehen und nicht fotografieren kann. Norwegen ist ein weltweit führender Exporteur von Fisch und Meeresfrüchten, mit einem Rekordexportwert von 7,3 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025. Zu den wichtigsten exportierten Arten gehören Lachs, Kabeljau, Hering, Königskrabbe und Forelle. Fast die Hälfte der norwegischen Fischexporte stammt aus der Aquakultur, insbesondere von Atlantischem Lachs und Regenbogenforelle. Ähnlich wie bei uns die Massentierhaltung werden hier diese Fischfarmen und Aquakulturen immer wieder kontrovers diskutiert in Bezug auf Umweltverträglichkeit, Tierwohl und Einsatz von Chemie und Medikamenten. Neben Erdöl und Gas ist die Fischindustrie die wichtigste Exportindustrie Norwegens.

Gegen Abend fanden wir einen Platz in der Nähe von Valset,  wo wir ganz alleine waren, mit Blick auf den Trondheimfjord und ab 23 Uhr auf die Polarlichter. Allerdings nicht mehr so toll wie die, die wir vor ein paar Tagen gesehen hatten.

Tag 20: Mittwoch, 17. September 2025
Es war eine kürzere Nacht als sonst, da wir ja die Polarlichter angeschaut haben. Wir hatte trotzdem eine größere Strecke vor uns und wir fuhren Richtung Süden nach Fossbergom in der Kommune Lom. Fossbergom liegt zwischen den drei Nationalparks Jotunheimen, Breheimen und Reinheimen. Deshalb gibt es hier das ganze Jahr über Tourismus, vielleicht etwas weniger in der Zwischensaison die gerade ist. Im Sommer kommen die Touristen für Wanderungen und Bergsteigen in den drei umliegenden Nationalparks und im Winter für Wintersportaktivitäten. Trotzdem war wie überall in Norwegen um diese Jahreszeit fast alles zu. Vermutlich öffnen die Geschäfte wieder zur Wintersaison wenn die Winter-Touristen kommen.
In der Kommune Lom liegt der Galdhøpiggen, der mit 2469 Metern höchste Berg Norwegens.
Wir parkten direkt neben einem großen Wasserfall mitten im Ort. Wenn man genau hinsieht, sieht man unsere Arche ganz rechts oben im Bild mit dem Wasserfall. Natürlich kam die Kulinarik auch nicht zu kurz, das tut sie nie, wenn Ellen dabei ist. Es gab Crêpes á la Ellen, mit Banane und skandinavischen Blaubeeren. In Skandinavien, also auch in Norwegen, gibt es angeblich die besten Blaubeeren Europas. Das hat mit dem Klima und den langen Tagen während der Sommerzeit zu tun. Aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und ihrer vielen Antioxidantien gelten sie als besonders gesund.

In Fossbergom findet man auch eine der größten erhaltenen Stabkirchen Norwegens, die etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde und bis heute noch als Hauptkirche der Kommune Lom in Betrieb ist. Im Gegensatz zur Stabkirche von Borgund, die wir ganz am Anfang gesehen haben ist diese hier hell und lichtdurchflutet, so dass man all die alten Bilder und die Architektur wunderbar sehen kann.

Tag 21: Donnerstag, 18. September 2025
Weil wir schon mal hier sind, ist das eine gute Gelegenheit in einen der 3 Nationalparks zu fahren. Wir entschieden uns für den Jutonheimen. Auf dem Weg dahin sahen wir zufällig, mehr oder weniger mitten in der Wildnis beim Elveseter Hotel eine riesige Säule stehen. Diese 34 Meter hohe Sagensäule wurde 1992 errichtet. Ursprünglich war vorgesehen, sie vor dem norwegischen Parlament in Oslo unter dem Namen „Eisvollsøyla” aufzustellen. Dabei war das Monument schon im Jahr 1836 erstmals angedacht. In einem Bildhauerwettbewerb konnte sich Professor W. Rasmussen durchsetzen, der das Erscheinungsbild der Säule prägte. Als die Säule im Jahr 1940 zur Hälfte fertiggestellt war, mussten die Arbeiten aufgrund des Krieges vorerst beendet werden. Nach dem Krieg wurden die Arbeiten aber nicht mehr aufgenommen, weil dem Künstler eine Nähe zu den deutschen nationalsozialistischen Besatzungstruppen während des 2. Weltkrieges nachgesagt wurde. Nachdem 20 Jahre lang niemand an der Säule weitergearbeitet hatte, sorgte Åmund Elvesæter, der Besitzer des Hotels, eigenhändig für die Fertig- und Aufstellung in Bøverdal. Sie erzählt die Geschichte Norwegens vom Jahr 872 (Schlacht im Hafrsfjord, welche als Geburtsstunde des norwegischen Königreiches gilt) bis zur Reichsversammlung 1814 (Verfassung von Eidsvoll, Grundstein der norwegischen Unabhängigkeit).

Es ist schon interessant, was man manchmal findet, ohne dass man es sucht. Aber das ist auch ein Teil dessen was das Reisen ausmacht.

Wir fuhren weiter in den Nationalpark hinein und nicht weit vom Galdhøpiggen (wir erinnern uns: mit 2469 Metern der höchste Berg Norwegens) bei Krossbu, was eigentlich nur aus einem Hotel besteht, haben wir geparkt um eine kleine Wanderung zu einem Gletscher (Leirbreen) zu machen. Das Wetter war uns nicht hold, aber wir wagten es trotzdem. Der Weg war anfänglich gut ausgebaut und je weiter man noch oben kam, desto schlechter wurde die Kennzeichnung, die durch die Witterung schon dermaßen unkenntlich gemacht wurde, dass sie oft nicht mehr zu sehen war. Nachdem wir uns etwas verlaufen hatten ging Ellen zurück und ich nahm den Weg wieder auf. Aber weiter oben war der Trail überhaupt nicht mehr auszumachen. Ein Handynetz gab es da oben auch nicht, falls etwas passiert wäre. Aber ich war fast am Gletscher und machte mich dann auch wieder auf den Rückweg.
Erschöpft von dieser Wanderung genossen wir nun erst mal einen heißen Tee in der warmen Arche.

Nach der versuchten Gletscherwanderung fuhren wir wieder zurück Richtung Fossbergom und dann weiter nach Osten denn morgen wollen wir nach Lillehammer.
Übernachtet haben wir dann in Otta. Otta ist eine sehr kleinen Stadt mit etwa 2300 Einwohnern (zum Vergleich: Hainsfarth hat etwa 1500 Einwohner), aber im Gegensatz zu Hainsfarth gibt es hier viele Geschäfte und Supermärkte. Unter anderem einen Gebrauchtwarenladen „Ting og Tøy“. Ellen war begeistert, da müssen wir natürlich morgen vor der Weiterfahrt noch hin. Außerdem weist die Stadt Otta auch einen kostenlosen offiziellen Wohnmobilstellplatz aus. Schön ist er nicht. Er liegt in Zentrumsnähe, direkt neben der Eisenbahn, die haben wir nicht gehört. Ich weiß gar nicht ob da überhaupt ein Zug gefahren ist. Auf alle Fälle haben wir gut geschlafen.

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf Lillehammer,
wo wir morgen sein werden.

September 2025 Teil 2

Norwegen

4 Kommentare
  1. Andre
    Andre sagte:

    Fantastic stories and photos! The adventures of Johan and Ellen…
    We could also see the northern lights here over the past 3 days…
    Travel safe!

    Antworten
    • Johann
      Johann sagte:

      Hi Andre
      Well, the northern lights was really something special.
      Nowadays you even can see them in Germany, in the northern parts. But the’re very weak.
      Take care, Johann

      Antworten
  2. Annemarie Rottner
    Annemarie Rottner sagte:

    Hallo Johann,
    Dein Reisebericht ist großartig. Ich
    freue mich schon auf Teil 3. Das Bild von Ellen und dem Elch finde ich einmalig 😀.
    Liebe Grüße
    Annemarie

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