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25. – 30. August 2022

Along the Wild Atlantic Way

Donnerstag, 25. August
Nachdem wir uns von Annabelle und Ben auf dem Parkplatz verabschiedet hatten fuhren wir auf dem Slea Head Drive um die Dingle Halbinsel herum. Der Slea Head Drive ist neben dem Ring of Kerry und dem Ring of Beara die dritte klassische Ringroute Irlands. Alle drei sind praktisch Teilstücke des Wild Atlantic Ways, der die ganze Westküste entlang führt. Seit Jahren fahren die großen Omnibusse diese Ringstraßen nur gegen den Uhrzeigersinn, so daß sie sich nicht begegnen können. Oft mußte dann einer zurücksetzen, und somit auch die anderen Fahrzeuge, die sich inzwischen hinter ihm angestaut hatten. Es konnte manchmal Stunden dauern, bis dann beide Fahrzeugkollonnen aneinander vorbei waren. An manchen Stellen ist man wirklich froh, daß einem kein Bus entgegen kommt.

Kurz nach unserer Abfahrt kamen wir an einer alten keltischen Ringwallsiedlung vorbei, die etwa auf das Jahr 3200 v. Chr. datiert wird und etwa 4000 Jahre lang bewohnt war. In ganz Irland gibt es sehr viele Überreste solcher Siedlungen und viele Kultanlagen und Grabmale die alle von den Kelten stammen. Heute ist man stolz auf dieses Erbe und die irische Sprache, die ja von den Kelten stammt, ist Pflichtfach in der Schule und alles ist zweisprachig beschriftet.

Der Höhepunkt der heutigen Strecke war sicher die Fahrt über den Conor Pass, den ich eigentlich gar nicht hätte fahren dürfen, da er für Fahrzeuge über 2 Tonnen gesperrt ist. Ich muß wohl das Schild übersehen haben. Das war aber kein Problem denn an den kritischen Stellen ist mir Gott sei Dank keiner entgegen gekommen.

Auf der anderen Seite des Passes, also an der Nordküste der Dingle Halbinsel haben wir dann in der Nähe von Castlegregory einen schönen Platz am Meer gefunden, and dem wir dann zwei Tage geblieben sind. Das waren zwei wunderschöne Tage mit Ruhe, Lesen, Spazierengehen, Radfahren, Essen (BBQ) und Trinken.

Entspannung am Meer:

Samstag, 27. August – Killarny
Nächster Stopp: Killarney. Killarney ist eine umtriebige kleine Stadt deren größter Wirtschaftszweig der Tourismus ist. Wie auf der ganzen Fahrt bis jetzt sehen konnten, ist Irland ein typisches Schafsland, und so gibt es natürlich überall Wollerzeugnisse zu kaufen. Ellen fand auch einiges zum kaufen und ich fand eine typisch irische Kappe. Natürlich aus Schafswolle.

Ein paar Tage zuvor in Kilkenny stieß ich auf eine Skulptur, die 3 Spieler einer mir bis dato völlig unbekannten Sportart darstellte. Einheimische Passanten erklärten mir, daß es sich hierbei um Hurling, eine der beliebtesten irischen Mannschaftssportarten handelt. Außerdem soll das auch eine der schnellsten Mannschaftssportarten der Welt sein.

Des Weiteren ist hier der Irish Football mindestens genauso beliebt, eine Mischung aus Rugby, Fußball, Football, ähnlich dem Australischen Fußball. Da ich herausgefunden hatte, daß heute hier in Killarney ein Irisch Football Spiel (Semifinale der County Meisterschaften) stattfand, nutzten wir die Gelegenheit uns das einmal anzuschauen. Und das war schon sehr interessant. Es sind keine so harten Szenen wie etwa im Rugby oder American Football, sondern es besticht wirklich durch Geschicklichkeit und taktisches Mannschaftsspiel. Das war wirklich ein interessanter und kurzweiliger Abend. Übernachtet haben wir dann südlich von Killarney auf einem kleinen Parkplatz direkt am Ring of Kerry. Aber um diese Zeit war eh kein Verkehr mehr.

Sonntag, 28. August
Am morgen ging as auf dem Ring of Kerry weiter, nicht weit bis zu einem Aussichtspunkt der „Ladies View“ genannt wird. Das geht wohl zurück auf die Hofdamen von Königin Victoria, denen damals bei einem Besuch diese Aussicht so gefallen hat. Uns übrigens auch.

Und weiter auf dem Ring of Kerry. Nächste Station das kleine Städtchen Sneem. Sneem hat für Liams Familie große Bedeutung, denn Liams Großmutter (geborene Casey) kommt von dort. Das ist also der Ort der irischen Abstammung. Im Zentrum von Sneem steht auch eine eindrucksvolle Bronzefigur von Steve (Crusher) Casey, der in den 30er und 40erJahren 6 mal Schwergewichtsweltmeister im Ringen (Wrestling) war. Ringen wird mit Wrestling übersetzt, wobei das Show-Wrestling das man heute kennt mit Ringen nicht viel zu tun hat. Ich weiß aber nicht genau, in welcher Art von Ringen der ‚Crusher‘ aktiv war. An der Olympiade 1936 in Berlin durfte er nicht teilnehmen, da er bereits an zwei Profiturnieren in den USA teilgenommen hatte und dadurch keinen Amateurstatus mehr hatte. Auf jeden Fall wurde ihm mit der Bronzestatue in Sneem ein Denkmal gesetzt und er ist ein entfernter Cousin von Liam. Ansonsten gibt es in Sneem nicht viel zu sehen, aber es ist ein schönes kleines Dorf. Läge es nicht am Ring of Kerry, kämen hier sicher nicht so viele Fremde her.

Von Sneem weiter nach Westen kommt man an das Ende der Halbinsel, von wo aus man die Skellig Inseln sehen kann. Das sin nur zwei größere Felsen im Meer aber sie erlangten durch Star Wars weltweit Berühmtheit. Der wohl berühmtestes Drehort der Star Wars Reihe in Irland ist Skellig Michael. Die uralten Rundhütten auf der pyramidenförmigen Insel  waren sowohl in „Das Erwachen der Macht“ wie auch in „Die letzten Jedi“ als Jeditempel zu sehen.

Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz der Kirche von Adfert. Wir waren ganz alleine und hatten eine ruhige Nacht.

Montag, 29. August
Nächstes Ziel war Galway, bekannt unter anderem durch Ed Sheerans Hit „Galway Girl“. Den Weg über Limerick haben wir uns gespart und haben statt dessen die Fähre über den Shannon Estuary von Tarbert nach Killimer genommen. Das spart Zeit und einen großen Umweg und außerdem hat uns nichts wirklich nach Limerick gezogen. Limerick hatte zumindest in der Vergangenheit nicht gerade den Besten Ruf und spielt heute touristisch auch keine große Rolle.

Nach der Überfahrt ging es weiter über enge Straßen durch Felder mit schwarz-weißen Kühen die mich immer wieder an Kerry Gold erinnern, obwohl wir Kerry schon längst verlassen haben.

Ein Höhepunkt des heutigen Tages auf der Fahrt nach Galway waren die Cliffs of Moher, die bis zu über 200 Meter hoch sind und steil in den Atlantik abfallen. Die Cliffs of Moher sind die bekanntesten, aber bei Weitem nicht die höchsten Klippen in Irland. Aber sie sind trotzdem wunderschön und beeindruckend.

Cliffs of Moher:

Wieder ein bisschen unnützes Wissen:

Denk ich an Limerick dann denk ich unwillkürlich auch an den Limerick. Denn Limerick ist nicht nur eine Stadt, sondern auch eine etwas seltsam anmutende grotesk-witzige Gedichtform. Das ist mir immer noch aus dem Englischunterricht im Gedächtnis geblieben. Der Limerick ist ein 5-zeiliges Gedicht, wo sich die ersten 2 Zeilen und die zweiten 2 Zeilen reimen und die fünfte Zeile reimt sich wieder mit den ersten beiden. Außerdem gilt es auch noch bestimmte Vorgaben bezüglich des Sprachrhythmuses zu beachten. Hier alles zu erklären geht wohl etwas zu weit. Der Interessierte möge sich doch bitte mittels des Links informieren: Limericks

Hier ein engliches Beispiel das mir gefällt:
(vom amerikanischen Poeten Oliver Wendell Holmes Senior (1809-94)

God’s plan made a hopeful beginning.
But man spoiled his chances by sinning.
We trust that the story
Will end in God’s glory,
But at present the other side’s winning.

Und ein Beispiel in Deutsch (Ja, es gibt auch deutsche Limericks):

Es war bei ’nem Mönch in Kalkutta
Moralisch nicht alles in Butter
Er trieb stets mit Wonne
Es mit einer Nonne
Und nun ist sie Ehrwürd’ge Mutter

Auf einem der Bilder oben sieht man die Ruinen des Moher Towers. Das ist einer von über 50 gleichartigen Türmen die überall entlang der Atlantikküste  während der napoleonischen Zeit gebaut wurden um Ausschau nach eventuell angreifenden Franzosen zu halten. Man hatte damals große Angst, daß Napoleon das britische Empire, zu dem Irland seinerzeit gehörte, angreifen würde. Frei nach Karl Valentin: Mögen hätte er wahrscheinlich schon wollen, aber dürfen hat er sich dann doch nicht getraut.

Gegen Abend kamen wir dann in Galway an. Wir hatten nicht vor tagsüber viel in der Stadt anzuschauen, sondern machten indes nur einen kleinen Abendbummel durch das Stadtzentrum. Es war viel los, viele Leute in den Straßen und in den Pubs. Das liegt zum Einen an den vielen vornehmlich amerikanischen Touristen und zum Anderen an den vielen Studenten, denn Galway ist eine Universitätsstadt. Ich setzte mich kurz auf eine Bank zu Oscar Wilde (zu meiner Rechten) auf ein kleines Schwätzchen und ging dann weiter mit Ellen in die Innenstadt zu den Pubs.
Übernachtet haben wir auf einem Parkplatz gleich in der Nähe.

30.  August 2022
Michail Sergejewitsch Gorbatschow ist gestorben.

Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und von März 1990 bis Dezember 1991 letzter Staatspräsident der Sowjetunion.  Ein Staatsbegräbnis hat er nicht bekommen. Putin hätte ihn wohl am Liebsten still und heimlich irgendwo verscharrt. Im Westen wurde er gefeiert und gelobt als Begründer von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung), was letztlich zum Fall des Eisernen Vorhangs geführt hat. Deshalb ist er für Putin ein Landesverräter.

Dienstag, 30. August
Heute wollten wir in die Gegend von Sligo, wo es viele Keltische uralte Monumente zu bestaunen gibt. Auf dem Weg dahin wollten wir noch die berühmten weißen Klippen von Ashleam anschauen. Ashleam liegt auf einer Insel (Achill Island), die mit einer Straße mit dem Festland verbunden ist. Die Klippen sind schon schön, aber ich fand sie nicht so besonders. Vielleicht waren wir von den Klippen von Mohere zu verwöhnt. Wir fuhren weiter über enge Straßen and der Küste Achills entlang, vorsichtig wegen der vielen Schafe die unterwegs waren. Die Küste ist überall wunderschön und wildromantisch.

Interessant ist, daß im 16.Jahrhundert Grace O’Malley, die wohl berühmteste Piratin aller Zeiten, diese Gegend beherrschte. Das Bild auf der rechten Seite zeigt den Grace O’Malley Tower, der ein Überbleibsel einer von ihr genutzten Burgen ist.
In diesem Zusammenhang: Wir stellen immer wieder fest, daß in der Vergangenheit und in der irischen Mythologie die Frauen offenbar die gleichen Rechte wie die Männer hatten. Das hat sich wohl erst mit dem auftreten der katholischen Kirche grundlegend geändert.

Auf dem weiteren Weg Richtung Norden suchten wir uns eine Platz zum Rasten wo Ellen das Mittagessen zubereiten konnte. Dank Park4Night fanden wir einen schönen Parkplatz bei der Burrishoole Friary (Abtei), unweit von Newport (muß man nicht kennen). Der Friedhof wurde 2016 immerhin als der bestgepflegte im ganzen County prämiert. Ellen kochte wie immer ein delikates Mittgessen, als plötzlich eine Beerdigungsgesellschaft kam und den Friedhofsparkplatz füllte. Sie ließen sich bei der Beerdigung von uns nicht stören und uns störte die Beerdigung auch nicht beim Essen.

Burrishoole Priory:

Vielleicht noch eine kleine Bemerkung zu Newport, das gleich in der Nähe ist, aber das man nicht kennen muß, wie ich schon erwähnte:
Wir kamen hier schon auf der Hinfahrt nach Achill durch, und ich habe angehalten, weil mir die alte Eisenbahnbrücke, die Seven Arches Bridge, über den Newport River, oder Black Oak River wie er auch genannt wird, gefallen hat. Die Stadt, wenn man diese überhaupt so bezeichnen kann, hat ca. 625 Einwohner (2016). Ich bin dann quasi über den kleinen Stadtpark gestolpert (eine Stadt hat natürlich einen Stadtpark), der mit finanzieller Unterstützung aus den USA,  vermutlich von Amerikanern die glauben ihre Wurzeln hier zu haben, liebevoll und wunderbar kitschig gestaltet wurde. Zum Beispiel der Bilderrahmen in den man sich für ein Portrait stellen kann, oder der umgefallene Blumentopf aus dem die Blumen sozusagen auslaufen, und nicht zuletzt die alten bunt bemalten Fahrräder.

Unser heutiges Tagesziel waren dann die keltischen Gräber kurz vor Sligo. In dieser Gegend soll es ja von keltischen Artefakten nur so wimmeln. Wir suchten uns einen schönen Parkplatz an der Küste der Ballysadare Bay um dann am nächsten Morgen unseren Keltenkulturtag zu beginnen. Was nun folgte war wunderschön, aber gleichzeitig an Kitschigkeit kaum zu überbieten. Als wir die Arche am Ufer für die Nacht abstellten, saß doch tatsächlich ein Harfenspieler am Ufer und spielte irische Weisen im Sonnenuntergang. Wie auf einer Postkarte.

Übrigens, die Aufnahme ist nicht gestellt und ich habe den guten Mann auch gefragt ob ich das fotografieren darf.

Dieser Übernachtungsplatz am Ufer der Ballysadare Bay, eines Meeresausläufers an dessen Ende Sligo liegt, war herrlich. Ein wunderbarer Sonnenuntergang und eine ruhige Nacht und am nächsten Morgen war wieder schönes Wetter und wir genossen den Blick über die Bay.

Und morgen wartet viel keltische Geschichte und Kultur auf uns.

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