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15. – 23. August 2022

Reif für die Insel – The Emerald Isle

Montag, 15. August
Es ist soweit. Die Arche ist beladen und mit Proviant bepackt. Heute geht es los Richtung Emerald Isle (Smaragd Insel). Wir waren schon in Schottland und in Wales und beides waren tolle Reisen, nun folgt noch Irland als letztes größeres keltisches Sprachgebiet der Britischen Inseln. Hoffentlich beleidige ich niemanden, wenn ich Irland zu den britischen Inseln zähle. Es läßt sich darüber streiten ob Irland dazu gehört oder nicht. Der Archipel der britischen Inseln umfasst immerhin etwa 6000 Inseln, geologisch gesehen gehört Irland dazu.

Heute fuhren wir bis in den New Forest, wo ich einen Platz reserviert hatte. Als wir ankamen, waren wir doch etwas überrascht, denn genau auf diesem Campingplatz haben wir vor einigen Jahren schon einmal übernachtet, als wir aus Wales zurück kamen. Der New Forest heißt schon seit 1079 so, als William the Conquerer (William der Eroberer) seinerzeit dieses Gebiet als einen neuen königlichen Forst proklamierte, der hauptsächlich als königliches Jagdgebiet benutzt wurde. Heute ist das Gebiet ein Nationalpark.
Das Wetter passte und so machten wir noch eine erste kleine Ausfahrt mit den Fahrrädern im New Forest wo dann Ellen auf ihren ersten Range Rover in freier Wildbahn traf.

Dienstag, 16.. August, New Forest – Fishguard
Es sind ca. 5 Stunden Fahrt bis Fisguard, wo die Fähre morgen ablegt. Die Fahrt verlief eigentlich ohne Probleme, außer daß ich zu allem Überfluß ein Kabel für die Rücklichter des Fahrradträgers abgeschert habe und das mußte ich gleich reparieren. Gott sei Dank waren wir da bereits in Fishguard und ich konnte das dann auf dem Parkplatz, auf dem wir übernachteten, wieder in Ordnung bringen. Funktioniert wieder.

Mittwoch, 17. August, Fishgiard – Rosslare
Die Fähre legte um 13:00 Uhr ab und die Überfahrt dauert 3 ½ Stunden. Nach der Ankunft in Rosslare suchten wir eine Unterkunft in einem Campingplatz oder Stellplatz. Das stellte sich als nicht so einfach heraus. Eigentlich soll freistehen in Irland gut gehen, aber wir sind ja noch Anfänger. Wir fanden noch einen Platz im St. Margaret’s Beach Camping and Caravan Park, aber auch nur weil einer von seiner Buchung abgesprungen ist. War ganz OK, alles sauber und gepflegt, aber €30 pro Nacht ist auch kein Schnäppchen. Zur Zeit sind noch Schulferien und offenbar sind alle Ir(r)en auf den Campingplätzen. Übernächste Woche soll die Schule wieder beginnen.

Donnerstag 18. August, Graiguenamangh
Trassa (irische Version von Theresa), die freundliche Angestellte des Campingplatzes, gab uns den Tipp nach Graiguenamanagh zu fahren. In der Tat war das ein sehr schöner und preisgünstiger Platz, 10 Euro die Nacht. Auch hier war über das Wochenende leider alles ausgebucht, aber wir konnten zumindest eine Nacht bleiben. An diesem Wochenende war ein großes Buch Festival und Gäste und Händler aus ganz Irland werden erwartet.

Graiguenamanagh ist ein kleines Städtchen am Fluß Barrow an der Grenze der Counties Carlow und Kilkenny gelegen. Entlang des Flusses, der heute nur noch von Hausbooten befahren wird, gibt es in beide Richtungen kilometerlange Treidelpfade was für Wanderungen und Fahrradtouren ideal ist.

Die Stadt, die nur etwa 1500 Einwohner hat, also ungefähr so viel Hainsfarth (mein Heimatdorf für die, die es noch nicht wissen sollten), ist zu Fuß in 5 Minuten zu erreichen. Deshalb konnte wir das Provianteinkaufen gleich erledigen.

Graiguenamanagh:

Freitag, 19. August, Ashford
Heute ist noch schönes Wetter angesagt, aber die nächsten Tage soll es regnen. Kaffee, Dusche, Arche entsorgen und auffüllen und etwa um 10 Uhr Abfahrt von Graiguenamanagh nach Ashford zu den Mt. Usher Gardens wo wir uns mit Annabelle und Ben trafen. Mount Usher wurde ab 1868 von vier Generationen der Familie Walpole angelegt und gilt im In- und Ausland als eines der frühesten und schönsten Beispiele eines Gartens im Robinson Stil. Er erstreckt sich über 22 Hektar und kombiniert eine meisterhafte Sammlung von Bäumen und Sträuchern mit inspirierenden Blumenbepflanzungen entlang beider Seiten des Flusses Vartry. Über 4500 verschieden Pflanzen aus aller Welt gedeihen dort, sogar die längst als ausgestorben geglaubte Wollemie (Wollemia nobilis)  die 1974 in einem Tal in Australien wiederentdeckt wurde, ist hier zu finden. Inzwischen kann man sie sogar im Fachhandel und im Internet kaufen.

Danach Mittagessen in Mickey Finn’s  Pub in Wicklow Redcross. Für alle gab es Fish’n Chips und für Ellen Fish Cakes. Danach haben wir uns von einander verabschiedet und wir fuhren Richtung Wicklow Forest National Park, wo wir hinter Glendalogh auf einer Passhöhe am Turlogh Hill übernachteten.

Mt. Ushers Gardens, Finn’s Pub Turlogh Hill:

Unnützes Wissen

St. Kevin of Glendalough, der mit der Amsel
Der Schutzheilige der St. Kevins Kirche, ist in der Gegend sehr bekannt und er ist auch der Schutzheilige Dublins. Er lebte im 6. Jahrhundert von 498 (vermutlich) bis 618 in der Gegend von Glendalough, wo er auch ein Kloster gründete und später als Einsiedler lebte und starb.
Die Legende sagt, daß er eines Tages in Gebetshaltung versunken war, mit ausgebreiteten Armen und nach oben geöffneten Handflächen, als eine Amsel sich auf einer Hand niederlies und ihre Eier hineinlegte. St. Kevin blieb so lange in dieser Haltung, bis die Eier ausgebrütet und die Jungen flügge waren. Deshalb wird er meist mit einer Amsel dargestellt.

Samstag, 20. August
Geregnet hat es nicht aber der Wind pfiff auf der Passhöhe dermaßen, daß wir wieder Richtung Glendalough ins Tal fuhren. Auf halbem Weg fanden wir einen Parkplatz wo Ellen an ihrem Computer arbeiten konnte. Ich machte derweil einen etwas ausgedehnteren Spaziergang entlang des St. Kevin Ways, der von Hollywood (Irland) nach Glendalough führt, und des Miners Ways, der hier am Parkplatz bei den Ruinen einer alten Bleimine beginnt und zu verschiedenen Ruinen von Minen und Bergarbeitersiedlungen führt. Viel ist davon allerdings nicht übrig. Generell sind die Wanderwege in Irland gut gekennzeichnet und sie werden auch viel genutzt.
Nachdem ich ziemlich weit gegangen war wollte ich der Einfachheit halber auf der Straße zurücklaufen, welche allerdings relativ weit hoch über mir verlief. Zufälligerweise fand ich einen Weg durch eine Geröllhalde, der mit weißen Markierungen gekennzeichnet war. Ich mußte allerdings bald feststellen, daß fast alle Steine und Felsen diese weißen Markierungen aufwiesen, welche natürlichen Ursprungs waren, irgendwelche weiße Flechten wie man sie oft auf Steinen findet. Egal, zum Umkehren war es zu spät und so kraxelte ich weiter durch das Geröll bis zur Straße.

Als ich wieder bei der Arche ankam, war auch Ellen so weit, daß wir weiterfahren konnten. Nicht sehr weit, sondern nur bis Laragh, wo wir auf einem versteckten Parkplatz bei der St. Kevin Kirche übernachteten. Weil in der Kirche zufällig gerade eine Hochzeit stattfand, war auch kurz ein Polizeiauto (Garda) vor Ort und die Polizisten hatten nichts dagegen daß wir hier übernachteten.

Ich machte noch einen kleinen Spaziergang in das Dorf und testete das lokale Bier. Ich staunte nicht schlecht als plötzlich die oben schon erwähnte Hochzeitsgesellschaft vorbeidefilierte von denen einige Dirndl und Lederhosen der Tiroler Tracht trugen und sich in reinstem tirolerisch unterhielten. Es stellte sich heraus, daß die Braut aus Tirol und der Bräutigam aus Dublin war, und daß deshalb auch Gäste aus Tirol bei der Feier dabei waren.

Ich hatte weiter oben schon erwähnt, daß es In Irland viele gut gekennzeichnete, gut ausgebaute und gepflegte Wanderwege gibt. Auch von unserem Parkplatz aus starteten einige Wege, die auch rege von lokalen Wanderern benutzt wurden. Und so machten wir auch noch einen kleinen Abendspaziergang auf einem dieser Wege.

Sonntag, 21 – Montag 22. August, Killkenny
Heute ist Waschtag. Deshalb brauchten wir Waschmaschinen, und Internet für Ellen zum Arbeiten. Der Zeltplatz Tree Grove bei Kilkenny bot das alles, zumindest laut Internet. Einer der beiden Trockner funktionierte nicht und das Internet war ein Drama. Aber nichts desto Trotz baute Ellen ihr Freiluftbüro auf um neben der Wäsche noch ihr Projekt, an dem sie die letzten Tage schon offline gearbeitet hatte, fertigzustellen.

Ich fuhr am Nachmittag mit dem Fahrrad nach Kilkenny, das gleich in der Nähe liegt, und hab die Stadt schon mal ein bisschen angeschaut. Die Straßen waren voll, die Pubs auch und im Park des Kilkenny Castles spielte eine historische Band in historischen Uniformen (Flöten, Trommeln, Dudelsack usw.).

Sehenswert ist auch die St. Canice Cathedral, eine gotische Kathedrale, ein mittelalterliches Meisterstück aus dem 13. Jahrhundert, und der 1100 Jahre alte runde Turm, der heute noch von den Besuchern bestiegen werden kann.

Am nächsten Morgen sind wir dann nach Kilkenny auf dem Womoplatz gefahren. Nicht besonders schön, aber preisgünstig und zentrumsnah.

Ein paar Eindrücke aus Kilkenny:

Es sei im Vorhinein erwähnt:

Der WoMo Stellplatz in Kilkenny war das letzte Mal, daß wir in Irland einen Campingplatz oder einen Stellplatz  benutzt haben. Da wir uns jetzt schon etwas an Irland gewöhnt hatten standen wir fortan immer frei. Schwarzwasser wurde diskret in öffentlichen Toiletten entsorgt, Grauwasser in Gullys (vorzugsweise bei Carwash Anlagen), Wasser konnte an vielen Tankstellen und anderen Orten aufgefüllt werden, und für die Wäsche gibt es genügend öffentliche große Waschmaschinen und Trockner.

Unnützes Wissen

Weil wir gerade im County Tiperary sind:
Das Lied It’s a long way to Tiperary  ist ein Ohrwurm, der mir momentan nicht mehr aus dem Kopf geht. Jeder hat das wohl schon gehört. Es ist das sicher das bekannteste englische Marschlied aus dem 1. Weltkrieg.

Dienstag, 23. August – Cashel Rock und Cork
Am morgen besuchten wir noch  Kilkenny Downtown, Ellen war noch beim Friseur und dann gings los um richtig in Irland einzutauchen. Nächstes Ziel war der Cashel Rock. Der Rock of Cashel, bei der Stadt Cashel, etwa 20 km nördlich von Cahir im County Tipperary in Irland gelegen, ist ein einzigartiges Monument irischer Geschichte. Der Berg erhebt sich 65 m hoch und gilt als irisches Wahrzeichen. Als Sitz von Feen und Geistern wurde er schon im Altertum verehrt. Von hier oben hat man eine wunderbare Aussicht auf das umliegende hügelige Land. mit den vielen schwarz-weißen Kühen, die mich immer wieder an Kerry Gold denken lassen.

Es ist schon spät und wir verlassen County Tiperary Richtung Süden nach Cork im County Cork, und das Lied geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Von Cork haben wir nichts gesehen, das müssen wir irgendwann später mal nachholen. Heute blieben wir hier über Nacht auf einem Parkplatz direkt am River Lee.

Mittwoch, 24. August
Nächstes Ziel: Blarney Castle. Blarney liegt etwa 8 km westnordwestlich von Cork, also nur ein Katzensprung. Dort ist eine Burgruine, in der der weltberühmte Stone of Eloquence, oder ganz einfach der Blarney Stone verbaut ist. Jeder der hier in Irland in der Nähe ist will die Gelegenheit wahrnehmen diesen Stein zu küssen, weil einem das die Gabe der eloquenten Sprache verleiht. Im Englischen bedeutet das Wort Blarney auch heute noch soviel wie schmeichelndes, verführerisches aber irreführendes Geschwätz. Ich habe diesen Stein natürlich auch geküsst, nach dem ich mich wegen des großen Andranges über eine Stunde lange in einer wirklich engen Wendeltreppe in einer langen Menschenschlange nach oben bewegen mußte. Ellen blieb unten da sie sich bereits äußerst eloquent auszudrücken vermag. Bis jetzt spüre ich bei allerdings noch keine positive Veränderung meiner Sprachgewandtheit. Vielleicht dauert das etwas länger bis die Wirkung einsetzt.

Da sich der Blarney Stone an der Außenseite des oberen Wehrgangs des Burgfriedes befindet, war es früher lebensgefährlich ihn zu küssen, da man von oben heruntergelassen werden mußte. Heute hat man das dahingehend etwas umgebaut, so daß man den Stein auch von innen erreichen kann. Auf dem Rücken liegend muß man sich mit dem Oberkörper soweit nach unten hängen, bis man den Stein mit dem Mund erreichen kann. Es sind aber Schutzgitter und Haltestangen installiert, so daß man nicht hinunterfallen kann. Außerdem ist immer ein Angestellter da, der einem hilft und festhält, und dann wieder auf die Beine hilft.

Weil wir uns heute noch mit Annabelle und Ben treffen wollten (die beiden haben sich vor ein paar Tagen am Strand bei Arklow verlobt), fuhren wir in einem Stück weiter nach Dingle. Dingle ist eine kleine Hafenstadt auf der gleichnamigen Halbinsel im Südwesten Irlands. Die Gegend ist bekannt für ihre raue Landschaft mit Wanderwegen und Sandstränden, aber wir schauten uns eher Restaurants und natürlich die Pubs an. Auch hier, wie praktisch überall in Irland wimmelte es nur so von amerikanischen Touristen, wahrscheinlich alle von irischer Abstammung auf der Suche nach der Herkunft ihrer Ahnen. Für den Tourismus ist das wahrscheinlich gut. Obwohl Dingle nicht groß ist ist, gibt es doch eine große Kirche. In Irland spielt die katholische Kirche eben immer noch eine große Rolle. Nach einem Fischessen im Ashes machten wir noch eine Tour durch ein paar Pubs mit Billard, Guinness und irischer Musik. Übernachtet haben wir auf einem versteckten Parkplatz nicht weit von den Pubs.

Ein paar Bilder aus Dingle:

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15. – 23. August 2022

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