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15. April – 28. April

Arbeit und Freizeit in Littlehampton

15. – 24. April 2022
Allerlei Getier kreucht und fleucht nachts in Lena’s Wohngegend, Katzen und hauptsächlich Füchse, deren Geschrei einen manchmal aus dem Schlaf schreckt. Vermutlich einer von letzteren hat in der Nacht die Treibstoffleitung, die den Boiler meiner Arche versorgt, durchgebissen und Diesel tropfte in den Boden. Ich habe das erst bemerkt, als die Heizung nicht mehr funktionierte und eine mir bis dato unbekannte Fehlermeldung anzeigte. Gott sei Dank konnte ich den Fehler relativ einfach provisorisch beheben, mit einem kleinen grünen Aquariumschlauch von Lena. Das hält dann hoffentlich bis nach Hause. Auf jeden Fall, Heizung und Warmwasser gehen wieder. Aber ehrlich gesagt, so richtig professionell sieht die von Hymer realisierte Installation der Kraftstoffversorgung der Truma 6d Heizung auch nicht aus. Vermutlich war noch ein Gummischutzschlauch um die Leitung herum, aber der ist wohl zur Beute des Fuchses geworden. Ich hab jetzt wieder einen Schutzschlauch aus Aquariumsbeständen hinzugefügt.

Ansonsten gab es doch einiges zu tun. Keine großen Sachen aber viele Kleinigkeiten. Gartenarbeiten, Fahrt zum Wertstoffoff, Einkaufen, Fernseher an der Wand befestigen, Satelitenkabel verlängern, Couch abholen und zusammenbauen, alte Glühbirnen gegen LED’s austauschen, diverse Regale bauen und befestigen, die mitgebrachten Möbel zusammenbauen, den alten Spiegel aus München aufhängen uns so weiter. Dazwischen blieb aber genug Zeit um mich mit Andre im Cafe zu treffen und immer wieder mal mit dem Rad an den Strand runter zu fahren. Das Wetter ist hier im Süden deutlich besser, will sagen wärmer, als in Blackpool im Norden. Das erste Mal war ich am Karfreitag am Strand. Es sind Osterferien und die Sonne scheint, aber die Luft ist noch sehr kalt. Auf der Seepromenade und am Strand ist schon viel los. Die Leute können den Sommer kaum erwarten und zeigen bereits viel weißes Fleisch, da es über die langen Wintermonate Farbe verloren hat. Wo man sich bei uns immer noch mit langen Hosen und warmen Anoraks kleidet, sieht man hier vielerorts Shorts und T-Shirts und bei den Damen ganz enge Höschen und hautenge Oberteile. Ja, man zeigt was man hat. Mich friert es bereits bei beim Anblick dieser Schönheiten. Auch Andre trug Shorts bei unserem letzten Cafebesuch in der Highstreet, aber der ist Kanadier und allein deshalb noch etwas härter als die Engländer. Er spricht erst von Schnee, wenn die Haustüre nicht mehr aufgeht. Was in England als Schnee bezeichnet wird, ist für Andre im besten Fall etwas Raureif.

25. – 27. April – Ein kleiner Ausflug in den New Forest und Umgebung

25. April 2022
Am 25. April bin ich losgefahren Richtung New Forest. So ganz neu ist der New Forest auch nicht mehr, denn den hat bereits William the Conquerer  im Jahre 1079, also vor fast 1000 Jahren, als das neue königliche Jagdgebiet deklariert. Auch heute noch gehören etwa 90% dieses 580 qkm großen Gebietes der englischen Krone. Auf dem Weg dahin war meine erste Station das Anwesen derer von Montague in Beaulieu (die Engländer sagen „Bjuli“) bekannt durch das National Motor Museum. Ich bin kein ausgemachter Autoliebhaber und für mich besteht die natürliche Bestimmung eines Automobils darin, mich von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Aber sogar ich muß sagen dieses Museum ist wirklich ein Muß ist wenn man in diese Gegend kommt. Die Sammlung von Exponaten, die die Entwicklung und Geschichte des Automobils in England zeigt ist nahezu unglaublich. Es beginnt mit den allerersten selbst fahrenden Konstruktionen aus den 1880er Jahren, unter anderem der Daimler-Benz Motorwagen, über die Modelle der Jahre 1900 bis 1920 von Renault, Fiat, Royal Enfield, Cadillac und anderen heute nicht mehr bekannten Marken, bis hin zu den letzten Errungenschaften wie z.B. ein Hybrid-SUV. Daneben auch eine umfangreiche Sammlung and Motorrädern, von den ersten Modellen bis heute. Und auch Rennwägen bis hin zur Formel 1 und Konstruktionen für die Hochgeschwindigkeitsrekordfahrten auf dem Großen Salzsee in den USA.

Auch auf dem Gelände sind die Reste des alten Zisterzienser Klosters (Abbey), wobei von der großen alten Kirche nur noch Umrisse der Grundmauern erhalten sind.  Ansonsten ist außer eindrucksvollen Ruinen auch nicht mehr viel erhalten, außer dem „Domus“, das ehemalige Refektorium und Wohngebäude der Laienbrüder, das auch heute noch für Veranstaltungen wie z.B. diverse Essen und Hochzeiten verwendet wird.

Auch sehenswert das Beaulieu Palace House. Das gehörte ursprünglich zur Abbey, wurde aber im 16. Jahrhundert während der Auflösung der englischen Klöster verkauft und gehört bis heute noch den Baronen Montagu of Beaulieu, die übrigens in direkter Linie von William dem Eroberer abstammen, und die immer noch einen Teil des Hauses bewohnen. Zu diesem Anwesen gehört auch ein goßer sehenswerter Garten mit vielen akkurat gestutzten Hecken und Buchsbaum Figuren. Ein besonderer Hingucker sind die Figuren aus Alice in Wonderland.

Nach über 4 Stunden auf dem Anwesen der Montagu’s machte ich mich dann auf die Suche nach einem Nachtquartier im New Forest und endete auf dem Hollands Wood campground bei Brockenhurst. Wenig los, viel Platz und freilaufende Ponies.
Zur Zeit ist in ganz Großbritannien die Blue Bells Zeit. Die Blue Bells sind das sogenannte Atlantischen Hasenglöckchen, das um diese Zeit in den Wäldern blüht. Es gibt Wälder wo man riesige blau Teppiche von diesen Blumen findet. Auch hier im New Forest gibt es welche, aber nicht gerade die berühmten riesigen Teppiche.

26. April 2022
Heute bin ich in die Gegend von Christchurch und Bournemouth gefahren und hab ein paar Spaziergänge am Strand gemacht, bei Mudeford am Avon Beach. Es gibt nicht viel zu berichten, es war ein schöner Tag, aber wieder mal kalt und windig.

27. April 2022
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Ponies im New Forest fuhr ich nach Calshot um das dortige Calshot Castle anzuschauen. Calshot Castle, ein Artillerie Fort, war eines in einer ganzen Reihe von Forts, die Heinrich VIII an Englands Südküste bauen ließ, um sie vor befürchteten Angriffen aus dem katholischen Europa (Hl. Römisches Reich, Frankreich und Spanien) zu schützen. Calshot Castle beschützte Southampton Water, die Einfahrt nach Southampton.
Danach fuhr ich zurück durch den New Forest und kam zufällig durch Lyndhurst. Ein schönes kleines Städtchen mit einer sehenswerten Kirche. Also macht ich Halt und spazierte ein bischn durch die schöne Altstadt. Natürlich schaute ich mir auch die Kirche Saint Micheal and all Saints an. Dort ist übrigens das Grab von Alice Lidell, die Lewis Carroll als Vorbild für Alice in Wonderland gedient hat.
Danach fuhr ich endgültig zurück nach Littlehampton.

28. April 2022
Am Vormittag war noch auf einen Kaffee bei Costa mit Andre verabredet. Anschließend habe ich noch die Arche vollgetankt und eingeladen. Heute spät am Abend kommt Ellen aus London. Ihr ursprünglicher Flug wurde storniert und so kam sie erst später weg, was den ohnehin schon engen Zeitplan noch enger machte. Es hat aber alles geklappt und sie kam pünktlich in Littlehampton an. Morgen in aller Herrgottsfrühe fahren wir los nach Dover. Ich bin gespannt ob es dieses Mal mit der Fähre klappt oder ob es Probleme gibt.

Wann hat dieser Wahnsinn ein Ende?

Jetzt ist schon der 50. Tag im Ukraine Krieg. Die „militärische Sonderoperation“ läuft ungebremst weiter, die Russen hören nicht auf mit Luft- und und Raketenangriffen, alles, meistens auch zivile Ziele, zu zerstören. Auch in Kiew schlagen wieder Raketen ein. Schwerpunkt ist allerdings der Osten und der Südosten, wo eine große Offensive im praktisch täglich erwartet wird. Offensichtlich haben die Ukrainer das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, den Lenkwaffenzerstörer Moskwa mit einer Besatzung von 500 Mann und einer Länge von  186 Metern versenkt. Alles Lüge sagen die Russen, es sei lediglich ein Feuer an Bord ausgebrochen und beim Abschleppen in einen Hafen sei das Schiff dann in rauer See gesunken. Ist eigentlich egal, Hauptsache es ist nicht mehr einsatzfähig. Eine Ironie des Schicksals: Zwei Tage nach dem Untergang des Moskwa kam eine Briefmarke heraus  (ukrainischer Soldat zeugt der Moskwa den Stinkefinger), die sich eigentlich auf einen Vorfall vom 22. Februar 2022 bezieht. Damals hatte sich unter anderem der Lenkwaffenkreuzer Moskwa der ukrainischen Schlangeninsel im Schwarzen Meer genähert. Die ukrainischen Soldaten auf der Insel hätten eine Kapitulation abgelehnt, stattdessen hat ein ukrainischer Soldat (sinngemäß) über Funk auf Russisch geantwortet: „Russisches Kriegsschiff, fick dich!“. Der Spruch wurde in der Folge äußerst populär, z. B. wurde er auf Demonstrationen verbreitet sowie auf T-Shirts und Werbeplakaten abgedruckt. Wie um die Opfer zu verhöhnen hat Putin die Mörder, Schlächter, Folterer und Vergewaltiger von Butscha mit dem Ehrentitel einer „Garde“ ausgezeichnet, was mit Heldentum und Tapferkeit, Entschlossenheit und Mut der Kämpfer begründet wird. Dazu fällt mir nichts mehr ein. Am 19. April hat die schon lange erwartete Großoffensive im Osten und Südosten begonnen. Laut Ukraine sind das aber erst Probeangriffe, die richtige große Offensive hat noch nicht begonnen.

2 Kommentare
  1. Klaas
    Klaas sagte:

    Seems you did a lot of interesting sightseeing, those old bridges, castles and old cars and you managed to repair this Diesel-leak, well done !!
    Hope that on your way to Dover and beyond there were no more problems, and that Ellen and you made it home safe !!
    Where to next ?
    Cheers, Servus, Ciao,
    Klaas

    Antworten
    • Johann
      Johann sagte:

      Well, yes, this was an interesting and exciting month. Now, back in Munich I think it will be more quiet. For Ellen everything worked OK and she is working again now. Also for there are a lot of things to do here and I may commute between Munich and Hainsfarth, where my Mom lives.
      Ciao and best wishes
      Johann

      Antworten

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